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Archiv Aktuelles

Teilrevison Tierarzneimittelverordnung

Stellungnahme der Suisseporcs

Mittwoch, 11. März 2015

 Allgemeine Bemerkungen zur TAMV

 

Die vorliegende Teilrevision der TAMV hat unter anderem zum Zweck die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Tierhaltung und in der veterinärmedizinischen Tierbetreuung zu reduzieren. Dieses Ziel wird von der Suisseporcs unterstützt. Die vorliegenden Anpassungen beziehen sich aber ausschliesslich auf den Bereich der Nutztierhaltung und lässt die Heimtierhaltung und Heimtierbetreuung vollständig aus. Die Suisseporcs verlangt, dass insbesondere Massnahmen zum zurückhaltenden Gebrauch von kritischen Antibiotika  auch für die Heimtierhaltung / -Betreuung vorgesehen werden.

Ein wichtiger Aspekt ist in der Vorlage nicht berücksichtigt worden. Der Fokus der Revision liegt zu stark auf der Mengenreduktion. Insbesondere werden Fütterungsarzneimittel (FüAM) und Arzneimittelvormischungen (AMV) einer ausserordentlich detaillierten Regelung unterstellt. Damit könnte aber hinsichtlich der Resistenzlage genau das Gegenteil bewirkt werden. In AMV und damit auch in FüAM werden heute überwiegend ältere und wenig kritische antimikrobielle Wirkstoffe eingesetzt. Diese älteren Wirkstoffe sind nach wie vor wirksam und damit ist fraglich, ob mit der Einschränkung oder bürokratischen Erschwerung des Einsatzes ein Beitrag zur Verbesserung der Resistenzsituation geleistet wird oder ob nicht gar das Gegenteil der Fall sein wird. Die geltende Tierarzneimittelverordnung hat eine wesentliche Reduktion der verwendeten Antibiotikamengen herbeigeführt und die Resistenzlage hat sich gleichzeitig sogar verschlechtert. 

 

Positive Punkte der geplanten Teilrevision der TAMV

  • Die Erweiterung des Zwecks der TAMV um den massvollen Antibiotikagebrauch.
  • Die Flexibilisierung für den Abschluss von TAM-Vereinbarungen.
  • Die bessere Zuweisung der Verantwortung an die verschreibenden Tierärzte. In diesem Sinne unterstützen wir die Bindung des Rechtes zur Verschreibung und Abgabe von AMV und FüAM an die Fachtechnisch verantwortliche Person (FTVP).
  • Die Anpassung der schweizerischen Regelungen an die Vorschriften der EU im Bereich der Behandlung von Equiden.
  • Die obligatorische Einführung des elektronischen, amtlichen Rezeptformulars in einem ersten Schritt für die Verwendung von AMV und FüAM.
  • Die Verpflichtung der Tierärzte den Nutztierhalterinnen die Informationen für die Erfüllung der Aufzeichnungspflicht zur Verfügung zu stellen. 
  • Der Ansatz, die Antibiotika in bezüglich der Resistenzlage „kritische“ und „wenig kritische“, einzuteilen. Wobei die Zuteilung ganzer Antibiotikaklassen in Frage gestellt wird. Bei Makroliden sind bestimmte Substanzen schon während Jahrzehnten im Einsatz und immer noch wirksam.

 

Negative Punkte der geplanten Teilrevision der TAMV

  • Der einseitige Fokus auf die Mengenreduktion birgt die Gefahr, dass wohl die eingesetzten Antibiotikamengen abnehmen aber die Resistenzlage nicht verbessert oder schlimmstenfalls sogar verschlechtert wird.
  • Die Verkürzung der Abgabe der verbleibenden Prophylaktika von vier auf drei Monate ist bei einem gleichzeitigen Verbot der Abgabe von Antibiotika zur Prophylaxe nicht nachvollziehbar und unnötig. Diese Verkürzung wird abgelehnt weil sie dem Ziel einer Reduktion der Antibiotikaeinsätze sogar zuwiderlaufen kann.
  • Das Verbot der Verschreibung und Abgabe von Antibiotika auf Vorrat zur Prophylaxe.
  • Die Tierärzte sind immer noch nicht verantwortlich für die Aufzeichnungen von Behandlungen, die sie selber an Nutztieren vorgenommen haben. Dieser Mangel ist zu beheben.
  • Die FTVP in der bisherigen Form und Rolle haben die vorgesehene Wirkung nicht erreicht und müssten abgeschafft werden. Im Sinne einer zweiten Chance können wir uns vorstellen, dass die vorgesehen Anpassungen in der Rolle und vor allem bezüglich der Verantwortung der FTVP zur Erfüllung der Erwartungen führen kann.
  • Die Aspekte des Tierschutzes, insbesondere die Reduktion oder das Vermeiden von Leiden der Tiere im Zusammenhang mit Krankheiten sind ebenfalls zu berücksichtigen.

 

Neutrale Punkte der geplanten Teilrevision der TAMV

  • Das Verbot der Verschreibung und Abgabe von kritischen Antibiotika auf Vorrat.
  • Wie in der Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) auf Seite 36 dargestellt, sind bei Geflügel für bestimmte Indikationen nur sog. kritische Antibiotika zur Behandlung zugelassen. Hier ist ein Missstand in der Zulassung und dieser ist zu beheben. Entweder durch die Zulassung von nicht oder wenig kritischen Antibiotika oder durch die Anerkennung oder Übernahme von ausländischen Zulassungen.

 

 

Stellungnahme Suisseporcs als pdf